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„Als Erste lief Frau Margot los“: Als die Honeckers heimlich aus Deutschland flohen
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- Dienstag, 10. März 2026 10:37
Von Sperenberg aus gelang Erich und Margot Honecker vor 35 Jahren die Flucht aus Deutschland. Eine Spurensuche in der kleinen Gemeinde im Kreis Teltow-Fläming.
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Sperenberg am 13. März 1991: Südlich von Berlin hebt eine Passagiermaschine Tupolew vom Militärflugplatz der Sowjets Richtung Moskau ab. Bis der Flieger die Nato-Außengrenze passiert, zittern Generäle beiderseits des vormaligen Eisernen Vorhangs – holen deutsche Jagdflieger die Maschine vom Himmel?
Erst Stunden später erfährt die im sowjetischen Militärhospital Beelitz wartende Medienmeute: Das mit Haftbefehl belegte Ex-Staatsoberhaupt der DDR entkam. Für die einen war Erich Honeckers heimliche Flucht aus Deutschland ein Erfolg, für andere ein Offenbarungseid des untergehenden SED-Regimes und ein Drücken vor politischer Verantwortung.
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Die Honeckers nächtigten in einem kleinen gelben Bungalow an der langen Allee zu einer der drei Start- und Landebahnen auf dem Militärflugplatz der Sowjets. Heute ist das Häuschen zwischen Bäumen, wie so vieles auf dem rund 3500 Hektar großen Denkmalschutzareal Kummersdorf-Sperenberg, eine Ruine. 1991 hatte dieser Bungalow eine eigene An- und Abfahrt vor der Tür.
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Sektfrühstück mit den Generälen
Nach Ankunft auf dem Flugplatz Sperenberg wurden Honeckers im Gästehaus einquartiert. „Der Tisch war nicht wie gewöhnlich im Saal gedeckt, sondern im Schlafzimmer, weiter von Blicken entfernt“, heißt es im Buch. Im Umkreis erschienen Leute, Objekte leuchteten auf. „Es war klar – hier hatten Journalisten Lunte bekommen“, schreibt Boltunow. Die Sowjets schickten Soldaten, „die Fotokorrespondenten zogen sich eilig zurück“.
Morgens frühstückten Honeckers mit den Generälen Seliwerst und Wasin bei Sekt. Draußen wurde die Passagiermaschine, eine Tupolew, startklar gemacht. Bei Boltunow steht: „Die Piloten kratzten sich den Nacken, als sie erfuhren, wen sie herauszuführen hatten. Es war nicht auszuschließen, dass sie von Jagdfliegern abgefangen werden.“
Absprache sei gewesen, sich bis zur Grenze Polens „durchzuschlagen“, als hätte nichts stattgefunden, Boltunow weiter. „Da ereignete sich ein Vorfall, welcher alle Bewohner des Gästehauses tüchtig aufschreckte. Unerwartet erschallte ein Schuss.“ Alle glaubten, es gehe los. Doch im Vorraum war ein Soldat an eine steinerne Uhr gestoßen; vor Schreck gab der „Trapowtschik“ einen Warnschuss ab.
Zum Abflug schreibt Boltunow: „Als Erste lief Frau Margot los.“ Erich sei es schlecht gegangen. Beide verstünden einfach nicht, dass die ganze Welt schwieg, dass es keine Sache Moskaus war, den ehemaligen Staatschef nebst Gattin auszufliegen.
Selbst ins direkte Umfeld sickerte kaum etwas durch
Später, so Boltunow, habe ihm Oberstleutnant Selkin erzählt: Ein Oberstleutnant der Bundeswehr hätte zugegeben, man sei auf dem grenznahen Flugplatz Forst (Nähe Cottbus) auf eine Landung aus Sperenberg vorbereitet gewesen, weil „die Deutschen beabsichtigten, eine MiG zu nehmen und unsere TU wegzuschnappen“. Während des Honecker-Flugs hatten laut Boltunow beide Regierungen Kontakt.
Als Honecker ausgeflogen wurde, war Danny Eichelbaum 17 Jahre alt, schon CDU-Mitglied und nahm am Goethe-Schiller-Gymnasium Jüterbog Kurs aufs Abi. Heute ist er Jurist, Brandenburger Landtagsmitglied und Kreistagsvorsitzender Teltow-Fläming. Er erinnert sich: „Das war ja eine ganz spannende Zeit – in der Schule, in der Stadt und in der großen Politik gab es jeden Tag Neues und Umbrüche.“ Natürlich sei ihm die Honecker-Flucht so nah vor seiner Haustür noch sehr präsent: „Für mich war das ein Offenbarungseid des untergehenden SED-Regimes und ein Zeichen, dass sich die damalige SED-Führung nicht ihrer Verantwortung stellen wollte.“
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Wie genau die dramatische und streng geheim gehaltene Flucht von Erich und Margot Honecker aus Deutschland an jenem 13. März 1991 vom Flugplatz Sperenberg nach Moskau unter sowjetischem Militärschutz lief, ist noch immer kaum bekannt. Selbst ins direkte Umfeld des riesigen Militärgeländes, damals Dreh- und Angelpunkt der GUS-Streitkräfte auf deutschem Boden, sickerte wenig durch.
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Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/open-source/als-erste-lief-frau-margot-los-als-die-honeckers-heimlich-aus-deutschland-flohen-li.10021581 10.03.2026

Ansprechpartner: Patrick Nelte